Die besten Tennisspieler aller Zeiten – unsere Top-10-Liste

Armin Schwarz
geprüft von René Müller | 6 Min. Lesezeit

Tennis hat in seiner modernen Geschichte drei Namen hervorgebracht, die alles überragen: Federer, Nadal, Djokovic. Aber wer ist der Größte? Und wer hatte so viel Einfluss auf die Geschichte des Sports, dass er trotz weniger Grand-Slam-Titeln in jede ernsthafte Liste gehört? Wir haben unsere Top 10 zusammengestellt – mit klarer Begründung, ohne diplomatisches Unentschieden.

Eines vorab: Diese Liste misst Größe nicht ausschließlich an Grand-Slam-Titeln. Dominanzphasen, Wirkung auf den Sport, Spielstil-Revolution und die Fähigkeit, in entscheidenden Momenten zu liefern, fließen alle ein. Wer nur Titel zählt, versteht Tennis nicht.

1. Novak Djokovic – Der Vollständigste

24 Grand-Slam-Titel. 428 Wochen Weltrangliste #1. Calendar Grand Slam 2021 verpasst im Finale.

Djokovic ist der statistisch beste Tennisspieler der Geschichte – das ist keine Meinung, das sind Zahlen. 24 Major-Titel, mehr als jeder andere Mann. Die meisten Wochen als Weltranglisten-Erster. Der einzige Spieler, der alle vier Grand-Slam-Turniere mindestens dreimal gewonnen hat.

Was Djokovic von Federer und Nadal unterscheidet: Er hat beide auf ihren stärksten Oberflächen geschlagen, in Finals, unter Druck. Das 2012er Australian-Open-Finale gegen Nadal – fast sechs Stunden, fünf Sätze, das längste Grand-Slam-Finale der Geschichte. Das Wimbledon-Finale 2019 gegen Federer, als Djokovic zweimal den Tiebreak verlor und trotzdem gewann. Diese Nerven hat niemand sonst.

Der einzige ehrliche Einwand: Er polarisiert wie kein anderer. Das Publikum war selten auf seiner Seite. Aber Größe wird nicht durch Sympathie gemessen.

2. Rafael Nadal – Der Unbeugsame

Rafael Nadal
Rafael Nadal / Foto: Leonard Zhukovsky / Shutterstock.com

22 Grand-Slam-Titel. 14× French Open. Rekordsieger auf Sand.

Kein Mensch in der Geschichte des Sports hat eine Einzelveranstaltung so dominiert wie Nadal die French Open. 14 Titel in Paris. Sein Rekord dort: 112 Siege, 4 Niederlagen. Das ist keine Dominanz – das ist Herrschaft über eine ganze Oberfläche, über fast zwei Jahrzehnte.

Was macht Nadal so besonders? Er hat nicht die natürlichste Begabung aller Zeiten. Federer hatte mehr Eleganz, Djokovic mehr Vollständigkeit. Aber Nadals Wille ist einzigartig. Die Knieprobleme, die Verletzungen, die Comebacks – immer wieder. Und in seiner Spitzenphase konnte er nicht nur auf Sand dominieren, sondern auch in Melbourne (2022 in fünf Sätzen nach 0:2-Rückstand gegen Medvedev) Majors gewinnen, die niemand erwartete.

Auf Sand: der Beste aller Zeiten, ohne Diskussion.

3. Roger Federer – Der Eleganteste

20 Grand-Slam-Titel. 8× Wimbledon. Der meistgeliebte Spieler der Geschichte.

Federer hat Tennis für eine ganze Generation zu einer Kunstform gemacht. Sein Einhand-Rückhand, seine Bewegung, seine Vorhand – technisch war er für viele Jahre schlicht das Schönste, was Tennis zu bieten hatte. Und er hat gewonnen: 20 Major-Titel, die meisten für einen Mann zu seiner Zeit.

Warum nicht Platz 1? Weil Djokovic und Nadal ihn in direkten Duellen unter Grand-Slam-Bedingungen häufiger geschlagen haben als er sie. Federers Head-to-Head-Bilanz gegen Djokovic (23:27) und gegen Nadal (16:24) spricht eine klare Sprache. Er war der Beste seiner Generation – aber seine Generation hatte zwei noch bessere Spieler.

Was bleibt: Kein Spieler hat Tennis einem breiteren Publikum zugänglich gemacht als Federer. Er ist der Grund, warum Millionen Menschen die Sportart lieben.

4. Pete Sampras – Der Maßstab seiner Zeit

14 Grand-Slam-Titel. 7× Wimbledon. Weltranglisten-Erster für 286 Wochen.

Bevor die Big Three die Statistiken neu geschrieben haben, war Sampras der Maßstab. 14 Major-Titel, darunter 7 in Wimbledon. Sein Aufschlag war die beste Waffe im Tennis seiner Ära. Auf Rasen war er nahezu unschlagbar.

Was Sampras fehlt, um weiter oben zu stehen: Er hat die French Open nie gewonnen. Für einen Spieler, der als „bester aller Zeiten“ diskutiert wurde, ist das eine echte Lücke. Auf Sand konnte er einfach nicht das gleiche Niveau erreichen. Trotzdem: Für seine Zeit war er dominant auf einem Niveau, das erst Djokovic übertroffen hat.

5. Ivan Lendl – Der Pionier der modernen Spielweise

8 Grand-Slam-Titel. Weltranglisten-Erster für 270 Wochen.

Lendl auf Platz 5 klingt für viele überraschend – 8 Titel sind weniger als Sampras. Aber Lendl hat Tennis mehr geprägt als seine Titelanzahl vermuten lässt. Er war der erste Spieler, der systematisches Kraft- und Athletiktraining in den Tennissport gebracht hat. Er hat bewiesen, dass man auf Hartplatz genauso dominant sein kann wie auf anderen Oberflächen. Die Professionalisierung des Sports trägt seine Handschrift.

Lendl gewann nie in Wimbledon – das einzige Major, das ihm fehlte. Dort verlor er zwei Finals. Das hält ihn von den oberen Plätzen fern.

6. Björn Borg – Die Legende aus Schweden

11 Grand-Slam-Titel. 5× Wimbledon, 6× French Open. Zurückgetreten mit 26 Jahren.

Borg hat mit 26 aufgehört. Das ist die faszinierendste Zahl seiner Karriere – nicht weil es eine Schwäche ist, sondern weil man sich fragt, was noch gekommen wäre. Mit 11 Grand-Slam-Titeln und seinem Alter bei Karriereende ist er strukturell vergleichbar mit Nadal auf Sand: überragend auf seiner Lieblingsunterlage (French Open: 6 Titel), aber auch in Wimbledon dominant (5 Titel).

Borg war der erste globale Tennis-Superstar – das Publikum liebte ihn, die Medien liebten ihn. Er hat Tennis salonfähig gemacht wie niemand vor ihm. Und er hat McEnroe das schwerste Gegner seines Lebens geliefert.

7. John McEnroe – Der Kontroverse mit dem besten Return aller Zeiten

7 Grand-Slam-Titel. 170 Wochen Weltrangliste #1.

McEnroe gehört nicht wegen seiner Titel in diese Liste – 7 Majors sind respektabel, aber nicht überragend. Er gehört wegen seines Spielstils: Das Netzspiel, die Volleys, die Spielintelligenz, der Return – technisch war McEnroe einer der begabtesten Spieler, die der Sport je gesehen hat.

Die Auftritte mit den Ausrastern haben seine Karriere medial definiert. Auf dem Platz war er aber oft schlicht brillant. Sein 1984er Jahr (82 Siege, 3 Niederlagen) gehört zu den dominantesten Einzelsaisons der Geschichte.

8. Jimmy Connors – Der Kämpfer

8 Grand-Slam-Titel. 268 Wochen Weltrangliste #1. US Open 1991 im Alter von 39 Jahren als Halbfinalist.

Connors hatte den besten Zweihänder seiner Ära und einen Kampfgeist, der ihn noch mit Ende 30 zu einem Faktor auf der Tour machte. Sein US-Open-Lauf 1991 – Wildcard, Halbfinale mit 39 Jahren – ist eine der unglaublichsten Geschichten in der Geschichte des Sports.

Connors ist auf dieser Liste, weil er Dominanz über zwei verschiedene Dekaden zeigen konnte. Das haben nur wenige Spieler in der Geschichte des Tennissports geschafft.

9. Stefan Edberg – Der Angreifer

6 Grand-Slam-Titel. Das beste Netzspiel seiner Generation.

Edberg ist der unterschätzteste Spieler dieser Liste. Sein Serve-and-Volley-Spiel war technisch so vollständig wie das keines anderen Spielers seiner Zeit. 6 Grand-Slam-Titel – das klingt nach wenig für Platz 9, aber Edberg spielte in einer Ära mit Lendl, Becker und Wilander. Das war kein einfaches Feld.

Sein zweites Wimbledon-Finale 1990, als er Becker in fünf Sätzen schlug: Tennis auf einem Niveau, das man nur selten sieht.

10. Andre Agassi – Der Kompletteste seiner Ära

8 Grand-Slam-Titel. Career Golden Slam (alle 4 Majors + Olympisches Gold).

Agassi hat als einer von nur fünf Spielern in der Geschichte alle vier Grand-Slam-Turniere gewonnen. Er ist der einzige Spieler, der das auf drei verschiedenen Untergründen getan hat (Hartplatz, Sand, Rasen). Dazu Olympisches Gold 1996.

Was seine Karriere noch interessanter macht: der Einbruch in den 90ern (Platz 141 in der Weltrangliste), gefolgt vom Comeback und dem Australian Open 2003 im Alter von 32 Jahren. Niemand sonst hat eine solche Karriereachterbahn überlebt und trotzdem am Ende gewonnen.

Unsere Gesamtwertung auf einen Blick

Platz Spieler Grand Slams Stärke Schwäche
1 Novak Djokovic 24 Vollständigkeit, Nerven Publikumssympathie
2 Rafael Nadal 22 Sand-Dominanz, Wille Hartplatz (früh)
3 Roger Federer 20 Eleganz, Wimbledon H2H gegen Big 3
4 Pete Sampras 14 Wimbledon, Aufschlag Kein French Open
5 Ivan Lendl 8 Professionalisierung, Hartplatz Kein Wimbledon
6 Björn Borg 11 Dominanz auf Sand & Rasen Früher Rücktritt
7 John McEnroe 7 Spielintelligenz, Volleys Mentale Instabilität
8 Jimmy Connors 8 Ausdauer, Kampfgeist Kein Australian Open
9 Stefan Edberg 6 Netzspiel, Technik Schwaches Feld? Nein
10 Andre Agassi 8 Career Slam, Vielseitigkeit Karrierebruch in den 90ern

Die wichtigste Frage: Federer, Nadal oder Djokovic?

Diese Debatte wird nie enden – und das ist gut so. Wer statistisch urteilt, landet bei Djokovic. Wer Oberflächen-Dominanz priorisiert, landet bei Nadal (French Open) oder Federer (Wimbledon). Wer Ausstrahlung und kulturellen Einfluss misst, landet bei Federer.

Unsere Antwort: Djokovic ist der statistisch beste Spieler aller Zeiten. Nadal ist der beste Spieler auf Sand aller Zeiten. Federer ist der einflussreichste Spieler aller Zeiten. Alle drei Aussagen sind gleichzeitig wahr – und das erklärt, warum diese Ära in 30 Jahren noch diskutiert werden wird.

Autor: René Müller | Sportwetten24.com

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Armin Schwarz - Chef-Analyst & Sportwetten-Experte |
Armin Schwarz Armin Schwarz ist Chef-Analyst und Sportwetten-Experte bei Sportwetten24. Seit 2012 in der iGaming-Branche tätig, bringt er unter anderem drei Jahre Erfahrung als Quoten-Analyst auf Buchmacher-Seite mit. Sein Schwerpunkt liegt auf mathematischer Quoten-Analyse, Value-Betting-Strategien und systematischen Anbieter-Tests. Armin hat über 50 Sportwetten-Anbieter auf Quoten-Qualität, Margenstruktur und Limit-Politik geprüft. Er hält einen B.Sc. in Mathematik von der Universität Heidelberg und arbeitet von dort aus.
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