
Der VfB Stuttgart steht im Finale des DFB-Pokals – doch über den sportlichen Erfolg spricht nach diesem Halbfinale kaum jemand. Stattdessen dreht sich alles um eine Szene, die den Abend überschattet hat und selbst für neutrale Beobachter kaum zu erklären ist.
Beim 2:1 nach Verlängerung gegen den SC Freiburg wurde den Gästen ein klares Tor aberkannt – und das auf eine Art und Weise, die im modernen Fußball eigentlich nicht mehr vorkommen sollte.
Die Szene: Tor – Pfiff – Fassungslosigkeit
Es läuft die erste Minute der Verlängerung. Freiburg trifft durch Lucas Höler zum vermeintlichen 2:1. Doch noch bevor der Ball vollständig im Tor ist, pfeift Schiedsrichter Tobias Welz die Szene ab – wegen eines angeblichen Fouls im Vorfeld.
Das Problem:
- Das Foul ist höchst zweifelhaft
- Der Pfiff kommt zu früh
- Der VAR kann nicht mehr eingreifen
Ein Dreiklang, der die Szene endgültig zur Fehlentscheidung macht. Selbst Experten und Beteiligte waren sich schnell einig, dass der Treffer wohl hätte zählen müssen.
Selbst Stuttgart irritiert – Undav wird deutlich
Besonders bemerkenswert: Die Kritik kam nicht nur aus Freiburg.
Auch beim VfB Stuttgart konnte man die Entscheidung kaum nachvollziehen. Stürmer Deniz Undav fand nach Abpfiff ungewöhnlich klare Worte: „Einen krasseren Fehler kannst du als Schiedsrichter nicht machen.“
Noch deutlicher wurde er in der generellen Bewertung der Spielleitung und kritisierte fehlendes Fingerspitzengefühl sowie mangelnde Kontrolle.
Dass ein Spieler der begünstigten Mannschaft derart offen gegen den Schiedsrichter schießt, ist im Profifußball selten – und zeigt, wie eindeutig die Situation wahrgenommen wurde.
Das VAR-Dilemma: Technik hilft – aber nicht immer
Die Szene legt ein bekanntes Problem des Videobeweises schonungslos offen.
Der VAR darf nur eingreifen, wenn das Spiel weiterläuft. In diesem Fall aber hatte der Schiedsrichter bereits abgepfiffen – und damit jede Überprüfung unmöglich gemacht.
Das führt zu einer paradoxen Situation:
- Eine klare Fehlentscheidung liegt vor
- Die Technik ist vorhanden
- Sie darf aber nicht genutzt werden
Genau dieser Regelkonflikt sorgt seit Jahren für Diskussionen – und hat in Stuttgart ein neues, besonders prominentes Beispiel bekommen.
Freiburgs Frust: Mehr als nur eine Szene
Beim SC Freiburg war die Wut entsprechend groß. Spieler und Trainer sprachen von einer spielentscheidenden Situation, die ihnen die Chance auf das Finale genommen habe.
Zumal es nicht die einzige strittige Entscheidung blieb:
- ein möglicher Elfmeter in der ersten Halbzeit
- Diskussionen über die Nachspielzeit
Doch keine Szene wog so schwer wie das aberkannte Tor.
Sportlich entschieden – aber mit Beigeschmack
Am Ende gewann Stuttgart das Spiel durch ein spätes Tor in der 119. Minute und zog ins Finale ein.
Doch der sportliche Wert dieses Erfolgs wird unweigerlich von der Schiedsrichterentscheidung begleitet.
Denn auch wenn Stuttgart über weite Strecken das aktivere Team war:
Ein mögliches 2:1 für Freiburg zu Beginn der Verlängerung hätte das Spiel komplett verändert.
Ein Fehler, der nicht passieren darf
Fehlentscheidungen gehören zum Fußball – das wird oft betont.
Doch diese Szene fällt in eine andere Kategorie. Nicht, weil ein Zweikampf falsch bewertet wurde, sondern weil ein verfrühter Pfiff eine Überprüfung unmöglich gemacht hat. Gerade im Zeitalter des VAR wirkt das wie ein Rückfall in alte Zeiten.
Nicht die Technik hat versagt – sondern der Moment, in dem sie gar nicht erst zum Einsatz kommen konnte.

