NHL-Playoffs: Draisaitl rettet Oilers vor frühem Aus – aber das Problem bleibt

Armin Schwarz
| veröffentlicht am: 29.04.26 (aktualisiert: 29.04.26)
geprüft von René Müller | 4 Min. Lesezeit

Drei Tore in den ersten 10:13 Minuten – so beginnt man nicht jedes Spiel, schon gar kein Elimination Game. Genau dieser Blitzstart hat den Edmonton Oilers in der Nacht zu Mittwoch das vorzeitige Playoff-Aus erspart. Beim 4:1 gegen die Anaheim Ducks im fünften Spiel der Western-Conference-Erstrundenserie traf Leon Draisaitl doppelt – einmal in der elften Minute zum 3:0, später per Powerplay zum 4:1. Vorlagengeber war jeweils ein nominell angeschlagener Connor McDavid, dessen Einsatz bis kurz vor Spielbeginn fraglich war. Was klingt wie der Befreiungsschlag, ist aus unserer Sicht eher ein Aufschub – und das wird im Wettmarkt bislang unterschätzt.

  • Stand: Anaheim führt die Best-of-Seven-Serie weiter mit 3:2, Game 6 steigt in der Nacht zu Freitag im Honda Center.
  • Wer: Draisaitl mit Doppelpack, McDavid mit zwei Assists, Connor Ingram mit 29 Saves – der eigentliche Gamechanger war aber der erste Drittel-Blitzstart.
  • Risiko: Edmonton muss in einer fremden Halle gewinnen, in der das Team in dieser Serie zwei deutliche Niederlagen kassiert hat (4:6 und 4:7).
  • Wettsicht: Markttechnisch werden die Ducks zu Hause leichter Favorit sein – wer den Oilers vertraut, bekommt im Moneyline-Markt erstmals echten Underdog-Wert auf einen Roster mit zwei Stanley-Cup-Final-Erfahrungen.
  • Parallel: Auch Marco Sturms Bruins haben sich im Osten ins Game 6 gerettet – mit einem 2:1 nach Verlängerung in Buffalo.

Was wirklich passiert ist – und was nicht

Der Sieg lief nach Drehbuch der ersten zehn Minuten: Hyman, Bouchard, Draisaitl. Danach lief das Spiel deutlich anders. Anaheim glich die Schussstatistik im zweiten Drittel zu 17:17 aus, kassierte aber durch Draisaitls zweiten Treffer im Powerplay den entscheidenden Konter. Die Wahrheit, die im Tipico-Wrap-up untergeht: Anaheim hat seinen Stammtorwart Lukas Dostal durch Ville Husso ersetzt – und das war keine taktische, sondern eine reaktive Maßnahme. Wer das ignoriert, fehlt am Ende ein Drittel der Geschichte.

Bemerkenswert: Edmonton hat in Spiel 3 und 4 zusammen 13 Gegentore kassiert. Diese Defensivprobleme verschwinden nicht durch einen 4:1-Heimsieg, in dem das Team früh führte und Anaheim defensiv stehen konnte. Connor Ingram, der nach Spiel 3 (7:4-Niederlage) zugunsten von Tristan Jarry auf der Bank Platz nehmen musste, war zwar mit 29 Saves solide – das Team vor ihm hatte aber seinen leichtesten Abend der gesamten Serie.

Bruins atmen durch – die wichtigere Geschichte für deutsche Fans

Im Osten verhinderten die Boston Bruins von Cheftrainer Marco Sturm den Erstrunden-K.o. mit einem 2:1 nach Verlängerung in Buffalo. Den Siegtreffer erzielte David Pastrnak in der Overtime, Elias Lindholm hatte das 1:1 erzielt, Jeremy Swayman parierte 24 Schüsse. Lukas Reichel, im März von den Vancouver Canucks nach Boston getradet, stand nicht im Kader – ein Detail, das deutsche Hockey-Fans interessiert, aber sportlich folgerichtig ist. Reichel hat seit dem Trade vor allem für das Farmteam in Providence gespielt.

Wichtig für die Einordnung: Buffalo führt die Serie weiter mit 3:2, Spiel 6 steigt am Freitag im TD Garden in Boston. Die Bruins haben damit den entscheidenden strukturellen Vorteil gegenüber Edmonton: Heimvorteil in einem Elimination Game. Aus Sportwetten24-Sicht ist die Boston-Wette – wenn man sie gehen will – die mathematisch sauberere Variante.

Wettmarkt-Einschätzung Game 6

Konkrete Eröffnungsquoten für Spiel 6 Anaheim gegen Edmonton liegen zum Redaktionszeitpunkt noch nicht final fest. Die Marktlogik ist allerdings eindeutig: Anaheim wird im Honda Center leichter Favorit sein. Das ist kein Fehler des Marktes, sondern Folge der Faktenlage – Anaheim hat zu Hause zwei der vier ersten Spiele klar gewonnen, Lukas Dostal kehrt voraussichtlich ins Tor zurück, und ein Team mit 3:2-Serienführung muss nur einmal von zwei möglichen Spielen gewinnen.

Armin Schwarz, Chef-Analyst von Sportwetten24.com, ordnet ein: „Draisaitls Doppelpack ist nominell ein Befreiungsschlag, aber wer die Spielanlage isoliert betrachtet, sieht eher die Schwächen Anaheims im ersten Drittel als die zurückgekehrte Edmonton-Form. Wenn Dostal in Spiel 6 wieder im Tor steht, sehe ich Anaheim trotz Backboard-Fehler weiter im Vorteil – das Heim-Eis im Honda Center wiegt in dieser Serie schwer. Mein klares ‚Was wir nicht empfehlen‘: keine Edmonton-Sieg-in-regulärer-Spielzeit-Wetten zu Quoten unter 2.50, da bekommt man keinen fairen Mehrwert.“

Was sich aus unserer Sicht lohnt zu beobachten: Spiel-Total-Wetten. In der Serie sind in fünf Spielen insgesamt 39 Tore gefallen – ein Schnitt von 7,8 pro Spiel. Selbst wenn Spiel 6 defensiver wird, bewegen sich die Mannschaften strukturell im Over-Bereich. Der Markt wird das einpreisen, dadurch sinkt der Wert auf der Over-Seite weiter. Wer sich dem Spiel überhaupt nähert, sollte daher keine Quoten unter 1.85 auf Over 6,5 nehmen – sonst bezahlt man die Buchmacher-Marge mit, ohne mathematischen Vorteil.

Was bedeutet das für die deutsche Eishockey-Perspektive?

Drei Deutsche stehen aktuell in Spielen mit existenzieller Bedeutung: Draisaitl als Edmonton-Topscorer, Sturm als Bruins-Cheftrainer, Reichel als Reservist mit Aufstiegspotenzial. Draisaitl hat den Stanley Cup nie gewonnen – die zwei Final-Niederlagen gegen Florida 2024 und 2025 bleiben sein offener Punkt. Ein Erstrunden-Aus 2026 wäre der nächste Rückschlag in einer Karriere, die statistisch elitär bleibt, aber in den Playoffs zuletzt wiederholt am letzten Schritt scheiterte.


Quellen: NHL.com (Recaps Spiel 5 Edmonton-Anaheim und Boston-Buffalo, 28./29. April 2026), nhl.com/oilers, NESN, NBC Sports Boston, FanDuel Sportsbook, Daily Faceoff.

Armin Schwarz - Chef-Analyst & Sportwetten-Experte |
Armin Schwarz Armin Schwarz ist Chef-Analyst und Sportwetten-Experte bei Sportwetten24. Seit 2012 in der iGaming-Branche tätig, bringt er unter anderem drei Jahre Erfahrung als Quoten-Analyst auf Buchmacher-Seite mit. Sein Schwerpunkt liegt auf mathematischer Quoten-Analyse, Value-Betting-Strategien und systematischen Anbieter-Tests. Armin hat über 50 Sportwetten-Anbieter auf Quoten-Qualität, Margenstruktur und Limit-Politik geprüft. Er hält einen B.Sc. in Mathematik von der Universität Heidelberg und arbeitet von dort aus.
Fehler gefunden?
Wir legen höchste Priorität auf aktuelle und fachlich korrekte Informationen. Trotz sorgfältiger Recherche können Fehler nie gänzlich ausgeschlossen werden. Haben Sie einen Fehler gefunden oder eine Anmerkung? Wir freuen uns über Ihren Hinweis, um unsere Inhalte stetig zu verbessern.
Kontaktieren Sie unsere Redaktion