Sport1 pleite: Steht der „Doppelpass“ jetzt vor dem Aus?

Simon Schneider
geprüft von Lukas Stratmann | 3 Min. Lesezeit
Sport1 steht kurz vor der Pleite: Kommt bald kein „Doppelpass“ mehr im TV?

Sport1 steckt offenbar in der schwersten Krise seiner Geschichte. Der Sportsender, der seit Jahrzehnten mit Formaten wie dem „Doppelpass“ zum festen Bestandteil der deutschen Fußball-Landschaft gehört, kämpft mit enormen finanziellen Problemen. Die Zahlen aus dem aktuellen Geschäftsbericht des Mutterkonzerns Highlight Communications zeichnen ein dramatisches Bild – und lassen sogar die Zukunft der Kultsendung offen.

Sport1 steht das Wasser bis zum Hals. Besonders alarmierend: Highlight Communications weist selbst auf „wesentliche Unsicherheiten“ hin, die Zweifel an der Fortführung des Unternehmens aufwerfen.

Gehen bei Sport1 noch in diesem Jahr die Lichter aus?

Anders formuliert: Der Konzern kann derzeit nicht garantieren, dass die vorhandenen Mittel ausreichen, um den laufenden Betrieb dauerhaft sicherzustellen. Gleichzeitig muss Highlight bis Ende November Kredite in Höhe von 74,5 Millionen Schweizer Franken zurückzahlen. Hinzu kommen offene Lizenzverbindlichkeiten von Sport1 in Höhe von 57,5 Millionen Euro.

Noch drastischer wirkt ein anderer Schritt. Der Firmenwert der Sport1 Medien GmbH wurde vollständig abgeschrieben und auf null gesetzt. Im Vorjahr war dieser noch mit 84,5 Millionen Schweizer Franken bewertet worden. Eine Maßnahme, die deutlich macht, wie skeptisch die Eigentümer inzwischen auf die wirtschaftliche Zukunft des Senders blicken.

Fatale Negativtrends in allen Bereichen

Die Probleme reichen dabei weit über die Bilanz hinaus. Auch das digitale Geschäft, lange Zeit als Hoffnungsträger angesehen, verliert an Bedeutung. Die monatlichen Zugriffe auf die Sport1-Angebote im Netz gingen 2025 um 16 Prozent zurück. Die Videoabrufe brachen sogar um 27 Prozent ein. Im ersten Quartal 2026 setzte sich dieser Negativtrend fort. Damit entwickelt sich Sport1 entgegen dem allgemeinen Wachstum des digitalen Sportmarktes und verliert offenbar zunehmend Marktanteile.

Wie groß der Druck tatsächlich ist, zeigt auch der Verkauf der langjährigen Produktionstochter Plazamedia. Das Unternehmen wurde für den symbolischen Preis von einem Euro abgegeben. Für viele Branchenbeobachter ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass Highlight dringend Liquidität schaffen musste. Ausgerechnet ein Unternehmensteil, der jahrelang als strategisch wichtig galt, wurde praktisch verschenkt.

Welche Formate werden gestrichen?

Was bedeutet das nun für die Zuschauer? Offiziell gibt es keine Hinweise darauf, dass einzelne Formate unmittelbar eingestellt werden. Doch die Sorgen wachsen. Denn wenn die Restrukturierung scheitert und keine Lösung mit Banken und Gläubigern gefunden wird, könnte dies massive Einschnitte nach sich ziehen.

Davon wäre im schlimmsten Fall auch der „Doppelpass“ betroffen.

Die Fußball-Talkshow läuft seit 1995 und gehört zu den bekanntesten Formaten im deutschen Sportfernsehen. Generationen von Fans diskutierten dort mit Moderatoren, Journalisten und prominenten Gästen über die Bundesliga. Trotz zahlreicher Veränderungen blieb der „Doppelpass“ eines der Aushängeschilder von Sport1.

Doch Traditionsformate sind in wirtschaftlichen Krisenzeiten keineswegs unantastbar. Sollte Sport1 gezwungen sein, weitere Sparmaßnahmen umzusetzen oder das Programm grundlegend umzubauen, könnte selbst die Kultsendung auf den Prüfstand geraten.

Entscheidung dürfte bald fallen

Noch handelt es sich dabei um ein mögliches Szenario und nicht um eine beschlossene Entscheidung. Die finanzielle Schieflage macht jedoch deutlich, dass bislang Undenkbares plötzlich denkbar geworden ist.

Sport1 steht damit an einem Wendepunkt. Die kommenden Monate werden darüber entscheiden, ob sich der Sender stabilisieren kann oder ob eines der bekanntesten Sportmedien Deutschlands vor einem historischen Umbruch steht.

Fest steht schon jetzt: Die Krise ist längst nicht mehr zu übersehen. Und wenn keine tragfähige Lösung gefunden wird, könnte sie am Ende sogar das Aus für den „Doppelpass“ bedeuten.

Simon Schneider - Chefredakteur & News-Experte
Simon Schneider Simon Schneider ist Chefredakteur und News-Experte bei Sportwetten24. Mit über 15 Jahren Erfahrung im Sportjournalismus verantwortet er die redaktionelle Qualität des gesamten Portals. Simons Stärke liegt in der sportartübergreifenden Analyse: Von Fußball und Esports über Tennis und MMA bis zu Wintersport und Politik-Wetten deckt er das breiteste Themenspektrum im Team ab. Intern überzeugt er regelmäßig mit einer der stabilsten Erfolgsquoten. Er hält einen B.A. in Journalistik von der Universität Leipzig und arbeitet von dort aus.
Fehler gefunden?
Wir legen höchste Priorität auf aktuelle und fachlich korrekte Informationen. Trotz sorgfältiger Recherche können Fehler nie gänzlich ausgeschlossen werden. Haben Sie einen Fehler gefunden oder eine Anmerkung? Wir freuen uns über Ihren Hinweis, um unsere Inhalte stetig zu verbessern.
Kontaktieren Sie unsere Redaktion