
Die Nachricht überrascht viele Fußballfans: Zur Weltmeisterschaft 2026 wird es in Berlin keine große Fanmeile am Brandenburger Tor geben. Damit endet vorerst eine Tradition, die spätestens seit dem „Sommermärchen“ im Jahr 2006 fest zur deutschen Fußballkultur gehörte.
Millionen Menschen feierten damals auf der Straße des 17. Juni gemeinsam die Spiele der Nationalmannschaft – ein Bild, das weltweit Symbolcharakter bekam. Doch diesmal bleibt die berühmte Partymeile leer.
Verwirrung um die ursprüngliche Planung
Zunächst hatte es sogar Hinweise gegeben, dass eine Fanmeile geplant sei. Auf dem offiziellen Berliner Stadtportal erschien zwischenzeitlich eine entsprechende Information. Wenig später wurde diese jedoch korrigiert. Schließlich stellte sich heraus: Für die WM 2026 existiert überhaupt keine konkrete Planung für ein Public Viewing am Brandenburger Tor. Auch das zuständige Bezirksamt Mitte erklärte laut Medienberichten, nie von entsprechenden Vorhaben gewusst zu haben.
Damit war klar: Die Hauptstadt verzichtet bei der kommenden Weltmeisterschaft bewusst auf das Großevent.
Die Zeitverschiebung wird zum Problem
Ein zentraler Grund liegt offenbar im Austragungsort der WM. Das Turnier findet 2026 in den USA, Kanada und Mexiko statt. Wegen der erheblichen Zeitverschiebung werden viele Spiele aus deutscher Sicht erst am späten Abend oder sogar tief in der Nacht angepfiffen. Genau das macht ein riesiges Public Viewing organisatorisch schwierig.
Während frühere Turniere in Europa oder Katar noch relativ fanfreundliche Anstoßzeiten boten, müssten Berliner Fans diesmal teilweise bis weit nach Mitternacht feiern. Für Veranstalter bedeutet das höhere Sicherheitskosten, kompliziertere Verkehrsplanung und strengere Auflagen beim Lärmschutz.
Gerade in einer Millionenstadt wie Berlin wäre ein nächtlicher Dauerbetrieb rund um das Brandenburger Tor kaum einfach umzusetzen.
Hoher Aufwand für die Hauptstadt
Die Berliner Fanmeile war nie nur eine einfache Großleinwand. Bereits bei der WM 2006 verwandelte sich die Straße des 17. Juni in ein riesiges Eventgelände mit Bühnen, Sicherheitszonen, Gastronomie und mehreren Videowänden. Hunderttausende Besucher strömten regelmäßig in die Innenstadt.
Solche Veranstaltungen bedeuten enorme Kosten für Polizei, Sicherheitsdienste, Reinigung und Infrastruktur. Gerade bei nächtlichen Spielen würden sich viele Einsätze bis in die frühen Morgenstunden ziehen. Zudem müssten Straßen lange gesperrt bleiben.
Hinzu kommt: Die wirtschaftliche Attraktivität dürfte geringer sein als bei früheren Turnieren. Spiele mitten in der Nacht locken weniger Familien und Touristen an als Begegnungen am Nachmittag oder frühen Abend.
Das Ende einer Berliner Fußball-Tradition?
Für viele Fans ist die Entscheidung trotzdem enttäuschend. Die Berliner Fanmeile galt über Jahre als Herzstück großer Fußballturniere in Deutschland. Besonders das WM-Sommermärchen 2006 prägte das Bild des gemeinsamen Feierns unter freiem Himmel nachhaltig. Millionen Menschen verfolgten damals die Spiele gemeinsam vor dem Brandenburger Tor.
Auch bei späteren Europa- und Weltmeisterschaften wurde die Fläche zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor regelmäßig zum Treffpunkt für Fußballfans aus aller Welt.
Dass die Hauptstadt nun ausgerechnet bei einer Weltmeisterschaft auf das Public Viewing verzichtet, wirkt daher wie ein kleiner Einschnitt in der deutschen Fußballkultur.
Kleinere Veranstaltungen bleiben möglich
Komplett ohne gemeinsames Fußballschauen wird Berlin allerdings wohl nicht bleiben. Bars, Biergärten und kleinere Veranstaltungsorte dürften weiterhin Übertragungen anbieten. Auch temporäre Public-Viewing-Flächen außerhalb des Regierungsviertels sind denkbar.
Eine riesige Fanmeile mit internationalem Festivalcharakter wird es 2026 aber definitiv nicht geben. Für viele Fans endet damit vorerst eine Ära, die Deutschland seit 2006 geprägt hat. Das Brandenburger Tor bleibt während der WM diesmal dunkel – zumindest aus Fußballsicht.

