Bernd Hoffmann übernimmt wieder das Ruder beim HSV

HSV: Bruchhagen und Todt entlassen
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Sie möchten größte Schlagkraft und richtige Entscheidungen treffen: Der Hamburger SV organisiert sich nach dem Abstieg neu und stellt Bernd Hoffmann als mächtigsten Mann ein.

In der jüngsten Vergangenheit gab es wohl kaum eine Person, die die Gemüter beim HSV so sehr spaltete wie Bernd Hoffmann. Die einen sehen ihn als gefühlskalten Verkäufer, der für die wirtschaftliche Talfahrt des Vereins überhaupt erst verantwortlich ist, die anderen halten ihn für einen begnadeten Taktierer, mit dem der HSV immerhin am Europapokal teilnehmen konnte.

Nun ist er zurückgekehrt. Die Vereinshomepage verkündete: „Die heutige Aufsichtsratssitzung des HSV hat beschlossen, den Aufsichtsratvorsitzenden Bernd Hoffmann zum Vorstand zu erklären. Ab sofort wird er sich im Amt des Vorstandsvorsitzenden befinden.“

Zusammen mit seinem Kollegen Frank Wettstein, der zuvor kommissarischer Alleinvorstand war, soll der 55-Jährige nun operative Geschicke einleiten. Zur gleichen Zeit wird Hoffmann auch Präsident des HSV bleiben. Den Vereinsvorsitz wird er zunächst nur ein Jahr lang ausüben.

„In der kommenden Saison benötigen wir in unserem Klub größte Schlagkraft mit Managementqualität und Fachkenntnis, damit die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit getroffen werden. Diese Anforderungen kann Bernd Hoffmann erfüllen, und zwar zu 100 Prozent“, erklärte Max-Arnold Köttgen, stellvertretender Aufsichtsratvorsitzender im Kontrollgremium.

Ebenso soll man eine Entscheidung zum neuen Sportvorstand getroffen haben. Nach Informationen der Bild-Zeitung soll es Ralf Becker werden. Zuletzt arbeitete der 47-Jährige bei Holstein Kiel als Sportchef. Seine Mannschaft erreichte in der vergangenen Saison die Bundesliga-Relegation, scheiterte aber gegen den VfL Wolfsburg.

Ein Taktiker und stiller Mahner

Eins prägte Hoffmann eine schillernde Ära, mit sportlichen Hochphasen, Machtkämpfen, Starspielern und am Ende auch mit finanziellen Abstürzen. Als er außerdem in den Aufsichtsratvorsitz kam, war seine erste Amtshandlung, den damaligen Vorsitzenden Bruchhagen samt Jens Todt, dem Sportchef, zu entlassen. Die eigenen Ambitionen stellte er zurück. „Ich möchte das nicht. Wir benötigen einen Vorstand mit sportlicher Kompetenz und unternehmerischer Vision bis zum Jahr 2025“, sagte er. Kaum drei Monate später ist er mächtigster HSV-Boss.

Es liegt viel Arbeit vor Hoffmann. Die Jahresbilanz wird von 120 Millionen auf ca. 80 Millionen sinken müssen. Besonders die teuren Spieler, die bisher 55 Millionen verschlangen, werden in der Zweiten Liga nur noch 32 Millionen kosten.

Was Hoffmann beim HSV bewirken kann

Viele sind Hoffmann abgeneigt, denn er war derjenige, der Transfergeschäfte führte und Schulden von 20 Millionen Euro anhäufte. Ob beim lukrativen Marketing oder der Stadionfinanzierung, immer verschwendete der HSV seine Chancen und musste schließlich Hypotheken bedienen.

Irgendwann befand sich das System vor dem Crash. Hoffmann war es, der vor „Lizenzproblemen“ gewarnt hatte. Der HSV bekam diese für die beiden Ligen nur deshalb zugesichert, weil man vorher die Zusammenarbeit mit Lagardére, dem Sportrechtevermarkter, ausgeweitet hatte. Ein pikanter Fakt: Hoffmann war vor dem HSV Lagardère-Vorgänger bei Sportfive.

Neben dem beinahe unstillbaren Hunger, gute Entscheidungen zu treffen, sind es gerade Hoffmanns Taten im Bereich der Geschäftskooperationen und TV-Rechte, die den eigenen mangelnden Sportsachverstand und das charakterliche Polarisieren ausgleichen können. Nicht umsonst spekuliert man, der bald präsentierte Neuvorstand würde ein Dreiergestirn: Als Finanzchef kommt Wettstein infrage, Hoffmann wird neuer Sportvorstand und Primus könnte die Marketing-Abteilung leiten.