DFB-Team: Hat sich Joachim Löw verpokert?

Joachim Low
Joachim Low

Joachim Low

Der Druck auf die deutsche Nationalmannschaft und allen voran Bundestrainer Joachim Löw ist nach der überraschenden 0:1-Pleite gegen Mexiko spürbar größer geworden. Der 58-jährige hat bereits im Vorfeld der WM mit der Nicht-Nominierung von Leroy Sane für Aufsehen gesorgt und auch die Start-Formation gegen Mexiko sorgt im Nachgang für Diskussionen in Fußball Deutschland. Für viele Fans und Experten hat sich Löw zum Auftakt der WM verpokert.

2010 suchte der „Titel-Fluch“ Italien heim, die Squadra Azzurra schied als erster amtierender Titelträger in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft bereits in Vorrunde aus. 2014 wiederholte sich diese Szenerie, in Brasilien traf es Spanien, auch für die Iberer war nach der Gruppenphase bereits Schluss. Nach der gestrigen 0:1-Auftaktpleite gegen Mexiko gibt es auch in Deutschland erste Stimmen die Angst haben vor dem Titel-Fluch. Andere wiederum sehen die deutschen Probleme als selbst verschuldet und machen allen voran Bundestrainer Joachim Löw und seine Personalentscheidungen dafür verantwortlich.

Welche Lehren zieht Löw aus der Mexiko-Niederlage?

Schon nach der Bekanntgabe des deutschen WM-Aufgebots Anfang Juni gab es viele kritische Stimmen, welche die Ausbootung von Leroy Sane als „großen Fehler“ bezeichnet haben. Genau diese Kritiker dürften sich nach der 0:1-Niederlage gegen Mexiko noch mehr im Recht fühlen. Aber nicht nur der Name Sane fällt immer häufiger in der Nachbetrachtung des ersten deutschen WM-Auftritts in Russland, auch die Startelf-Einsätze von Julian Draxler und Mesut Özil werden durchaus kritisch betrachtet. Vor allem die Tatsache, dass Mesut Özil den Vorzug von Marco Reus bekommen hat können viele nicht nachvollziehen. Dementsprechend groß war die Wut und die Enttäuschung über die Leistung von Özil, der nach der „Erdogan-Affäre“ ohnehin keinen Kredit mehr bei den deutschen Anhängern hat. Der Profi vom FC Arsenal wirkte oft wie ein Fremdkörper im deutschen Spiel, zudem ließ Özil wie so oft in der Vergangenheit den nötigen Biss und Robustheit vermissen, die man gegen körperliche präsente Mexikaner sichtlich gebraucht hätte. Auch Julian Draxler, der beim Confed Cup vor einem Jahr noch zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde, hatte deutliche Probleme. Was will man jedoch von dem Ex-Schalker erwarten, der in der abgelaufenen Saison bei Paris Saint-Germain zumeist von der Bank kam.

 

Joachim Löw versuchte noch während des Spiels seine „Fehler“ zu korrigieren und nahm den schwachen Sami Khedira in der 60. Minute für Reus vom Feld. Der Dortmunder brachte deutlich mehr Schwung in die deutsche Offensive, am Ende reichte es jedoch nicht für einen Treffer. Zu allem Überfluss „verplapperte“ sich Reus nach dem Spiel in der Mixed Zone und deutete an, dass Löw schon seit geraumer Zeit seine erste 11 ohne Reus im Kopf hatte: „Natürlich bin ich enttäuscht, dass ich nicht von Anfang an gespielt habe. Wer das nicht ist, ist fehl am Platz. Ich wusste es schon im Trainingslager. Weil wir davon ausgehen, dass das Turnier sehr lang wird.“ Der 29-jährige betonte, dass Löw ihm vor allen in den „wichtigen Spielen“ einsetzen möchte. Unmittelbar darauf erkannte Reus jedoch wohl seinen „Aussetzer“ und gab zu Protokoll, dass das Spiel gegen Mexiko natürlich auch schon wichtig war.

Gegen Schweden wird es Veränderungen geben

Unmittelbar nach der Niederlage wollte sich Joachim Löw nicht zu möglichen personellen Konsequenzen äußern, dass es diese jedoch gegen Schweden geben wird steht außer Frage. Löw und sein Team werden in den kommenden Tagen sicherlich in Ruhe überlegen wo es zu Veränderungen kommt. Auffällig ist jedoch, dass vor allem Abwehrspieler wie Mats Hummels die fehlende „Absicherung“ im Mittelfeld bemängelt haben. Laut Hummels hätte man dies in den letzten Wochen und Tagen immer wieder intern angesprochen. Laut dem Innenverteidiger sei es schwer zu verteidigen, wenn 7-8 offensive Spieler auf dem Feld stehen.

Marco Reus dürfte gegen Schweden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von Anfang spielen. Für wen Reus jedoch in die erste 11 rückt bleib abzuwarten. Draxler und Özil gelten hierbei als die größten Streichkandidaten, womöglich trifft es beide. Auch der einstige Stammplatz von Sami Khedira im zentralen Mittelfeld neben Toni Kroos wackelt sehr stark. Khedira hat ein unterirdisches Spiel gegen Mexiko absolviert und war maßgeblich an dem Gegentreffer beteiligt. Womöglich könnte Ilkay Gündogan für Khedira in die Anfangsformation rücken, wobei auch Gündogan nach der Erdogan-Debatte alles andere als vor Selbstvertrauen strotzt.

Veränderungen könnte es auch in der deutschen Viererkette geben. Marvin Plattenhardt hat als Hector-Ersatz eine „solide“ Leistung gezeigt, jedoch blieb der Berliner über weiter Strecken unauffällig. Die DFB-Elf braucht auf der linken Seite mehr Impulse nach vorne. Auch in der Mitte scheint das Bayern-Duo Hummels/Boateng nicht (mehr) unantastbar zu sein. Mit Süle und Rüdiger hat Löw hier durchaus andere Optionen zur Verfügung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.