10 Gründe für den Niedergang der ostdeutschen Fußballclubs

Simon Schneider | am: 27.10.21
Der 1. FC Magdeburg gewann 1974 die Europapokal der Pokalsieger und war in der DDR eine ganz große Nummer. Heute kickt der FCM in der 3. Liga. Immerhin scheint ein Aufstieg in der aktuellen Saison möglich. (Foto: foto2press)

Der FC Carl-Zeiss Jena, der 1. FC Magdeburg, Dynamo Dresden, der Chemnitzer FC, der 1. FC Lok Leipzig, der BFC Dynamo, der FC Rot-Weiß Erfurt – die Liste der ostdeutschen Traditionsclub ist lang. Selbst auf europäischer Ebene haben die Mannschaften einige Erfolg gefeiert. Heute ist der Ost-Fußball vielfach einfach nur noch ein Trauerspiel. Wie konnte es zum Niedergang der ostdeutschen Fußball-Clubs kommen. Wir haben 10 Gründe.

Viele ehemalige Spitzenclubs aus dem Osten sind in den Niederungen des Amateurfußballs verschwunden. Woran liegt das? Unsere Redaktion hat sich an einer Analyse versucht.

Das Umfeld 1990 war marode

Das Umfeld 1990 der DDR-Clubs war einfach marode. Die Stadien haben sich in einem erbärmlichen, nicht bundesligatauglichen Zustand befunden. Selbst die Fans von Dynamo Dresden standen 1989/90 auf wackligen Holztribünen.

Die „staatliche Unterstützung“ hat gefehlt

Mit dem politischen Umschwung ist den Vereinen die Unterstützung weggebrochen. Zu DDR-Zeiten wurden die Mannschaften vom Staat, der Armee, der Polizei und den großen Kombinaten gefördert. Für den Wechsel hin zum Profi-Fußball und den marktwirtschaftlichen Gegebenheiten hat es an Erfahrung gefehlt.

Die Clubs wurden ausgeblutet

Gleichzeitig herrschte nach der Wende im Westen Goldgräber-Stimmung. Reiner Calmund von Bayer Leverkusen war der erste Manager der Nägel mit Köpfen gemacht hat und Andreas Thom vom BFC Dynamo in den Westen holte. Ihm folgten innerhalb von fünf Jahren nach Wende sage und schreibe 150 Spieler, unter ihnen Ulf Kirsten, Rico Steinmann, Matthias Sammer und Michael Ballack.

Vereine sind auf Traumtänzer hereingefallen

Die Unerfahrenheit der Ost-Clubs haben zudem zahlreiche Traumtänzer und windige Geschäftemacher aus dem Westen ausgenutzt. Das beste Beispiel hierfür ist sicherlich der hessische Unternehmen Rolf-Jürgen Otto, der bei Dynamo Dresden ein Chaos hinterlassen hat, um es einmal freundlich zu formulieren.

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Karrieren wie von Otto haben dazu beigetragen, dass in der älteren, ostdeutschen Bevölkerung noch immer jedem „Wessi“ eine gewisse Skepsis entgegengebracht wird.

Gewalt-Exzesse der Fans sorgten für Negativschlagzeilen

Nicht verschwiegen werden darf, dass auch die Fans der ostdeutschen Fußball-Club zum Niedergang ihrer Vereine beigetragen haben. Sorgte der Ostfußball in der Nachwende-Zeit für Schlagzeilen, dann meist nur durch die Gewalt-Exzesse und den Rassismus der eigenen Anhängerschaft.

Selbst einem Top-Manager wäre zur damaligen Zeit nicht gelungen, einen ambitionierten, ausländischen Spieler in den Osten zu locken.

Die Nachwuchsförderung ist weggebrochen

Die Sportförderung in der DDR gehört sicherlich zu den Aushängeschildern des Sozialismus. Die Sportschulen waren eine wahre Talente-Schmiede. Obwohl der Fußball nicht den höchsten Stellenwert hatte – dazu kommen wir noch – haben die Kaderschmieden immer wieder für neue Talente hervorgebracht.

Wer Fußball spielen wollte, konnte dies tun, ohne sich Gedanken über seine persönliche Zukunft zu machen. Nach der Wende ist das gesamte DDR-Sportsystem abgewickelt worden. Die Nachwuchsleistungszentren des DFB haben diese Lücke nur bedingt gefüllt.

Vorhandene Chancen wurden nicht genutzt

Für den Niedergang der Ost-Clubs gibt’s die vielfältigsten, nachvollziehbaren Gründe. Zur Richtigkeit gehört aber auch, dass die vorhandenen Chancen nicht genutzt wurden. 13 oder 14 letzten DDR-Oberligisten haben zumindest zeitweise mindestens in der 2. Bundesliga gespielt.

In den Jahren 1994 bis 2004 hätte der eine oder andere Verein den Durchbruch schaffen können, hat sich den Weg aber selbst aufgrund von falschen Entscheidungen und Missmanagement verbaut.

Die Sponsoren im Umfeld fehlen noch heute

Heute wird es für die ostdeutschen Fußball-Clubs immer schwerer die Lücke zu schließen, allein schon aufgrund der Finanzen. Die Wirtschaft im Osten ist zwar angesprungen, aber mehr oder weniger als verlängerte Werkbank des Westens. Die Firmenzentralen der großen Unternehmen – der potentiellen Sponsoren – sind im Westen zu finden.

Talente-Mangel: Der gesellschaftliche Wandel

Insgesamt fehlt es dem Ost-Fußball an Talenten. Der Grund hierfür ist der gesellschaftliche Wandel nach Wende. Die Jugend hat ab 1990 ihre Heimat gen Westen verlassen. Die eigentlich „ostdeutsche Generation“ wächst heute größtenteils zwischen München, Köln und Hamburg auf und spielt dort natürlich auch Fußball.

Fußball hatte in der DDR keine Grundlage

Man kann die Folgen des ostdeutschen Fußball-Zusammenbruchs aber auch noch weiter in der Vergangenheit suchen und finden. Richtig ist, dass die DDR-Teams, den einen oder anderen Erfolg gefeiert haben. Den höchsten Stellenwert in der politischen Führung hatte der Fußball aber nie.

Walter Ulbricht, ehemaliger Staatsrat-Präsident der DDR, soll einmal gesagt haben – „Im Schwimmen können wir sieben olympische Goldmedaillen gewinnen, im Fußball nur eine“. Das gesamte DDR-Fußballkonstrukt stand immer auf einem maroden Fundament.

Aktuell: Nach zehn Jahren ohne Ost-Clubs in der 1. Bundesliga hat 2019 der 1. FC Union Berlin den Aufstieg ins Oberhaus geschafft. In der 2. Bundesliga sind der FC Erzgebirge Aue, Dynamo Dresden und der FC Hansa Rostock aktiv. Alle anderen Traditionsclub sind in der 3. Liga, der Regionalliga und in der Oberliga – sprich in der Versenkung – verschwunden.

 

Simon Schneider Seit etwa 15 Jahren ist Simon im Sportjournalismus aktiv. Seine Karriere begann bei einem Online-Portal und setzte sie anschließend als freiberuflicher Redakteur bei einem großen Sportverlag, der Sport-Revue, fort. Neben seinem umfassenden Fachwissen im Fußballbereich ist er besonders versiert in den Disziplinen Fußball, Esports und Skisport. In seiner aktuellen Position bei der Sp24 hat er sein Themenfeld um Tennis, MMA und Politik erweitert und ist für das aktuelle Nachrichtengeschehen verantwortlich.

Auch in der Redaktion ist Simon als vielseitiger Wett-Experte bekannt, der eine der höchsten Erfolgsquoten aufweist. mehr lesen