Er war eine Galionsfigur des deutschen Fußballs – Franz Beckenbauer. Der Kapitän der Nationalmannschaft und vom FC Bayern München hat eine Ära auf dem Rasen geprägt. Die Erfolge des Kaisers wollen wir an dieser Stelle nicht aufzählen. Als Trainer der DFB-Truppe hat Beckenbauer dann nochmals nachgelegt, mit dem Vize-Weltmeistertitel 1986 und dem Weltmeister-Coup vier Jahre später in Italien.
Doch vom einstigen Glanz des Kaisers ist nicht mehr viel übrig geblieben. Es ist still geworden um Franz Beckenbauer. Die öffentliche Meinung hat sich um 180 gedreht: Die einstige Lichtgestalt hat inzwischen einen zweifelhaft Ruf, in dem immer ein Hauch von Korruption mitschwingt.
Die erste Causa Beckenbauer – die WM 2006 in Deutschland
Zum endgültigen „Fußball-Gott“ ist Franz Beckerbauer als Organisationschef der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland geworden. Offiziell war Beckenbauer monatelang weltweit unterwegs, um für Deutschland als WM-Austragungsort zu werben. Scheinbar mit Erfolg.
Erst viele Jahre nach der WM sind Zweifel aufgekommen. Die unterschiedlichsten Papiere, vor allem ungeklärte Zahlungen in Höhe von 6,7 Millionen Euro, haben belegt, dass bei der WM-Vergabe gewaltige Bestechungsgelder geflossen sind. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist die Integrität von Beckenbauer ins Wanken gekommen.
Im Umfeld des Kaisers hat es mehrere strafrechtliche Verurteilungen gegeben. Der Kaiser selbst blieb aber unbehelligt. Aufgrund seines gesundheitlichen Zustands sind die Verjährungsfristen in der Schweiz abgelaufen. Rein rechtlich steht Franz Beckenbauer in Bezug auf die WM 2006 tatsächlich mit weißer Weste da.
Die zweite Causa Beckenbauer – Katar und Russland
Richtig dubiös wird’s mit einem Blick auf die WM-Vergabe 2018 in Russland und 2022 in Katar. Russland stand damals im Wettbewerb mit England. Schon vor der Vergabe haben britische Medien spekuliert, dass Beckenbauer und Russland nach der WM in eine geschäftliche Beziehung gehen.
Genauso ist es dann auch gekommen. Beckenbauer wurde Sportbotschafter Russlands. Kurios ist, dass weder er noch sein Management sich an die vereinbarte Honorar-Zahlung erinnern können. Beckenbauer habe übrigens für Russland gestimmt, um England nicht noch größer zu machen.
Bekannt ist zudem, dass der Kaiser ein halbes Jahr vor der WM-Vergabe in Katar zu Gast war. Ein Fakt, der allen FIFA-Statuen widerspricht. Angeblich hat der Kaiser versucht, die Verantwortlichen in Katar zu überreden, die WM-Bewerbung rückgängig zu machen.
Wer es glaubt, wird selig. Naheliegend ist indes, dass die Katar-Unterstützung bereits im Zuge der WM-Vergabe 2006 nach Deutschland ausgekungelt war. Franz Beckenbauer bestreitet bis heute, dass er für den Wüstenstaat gestimmt hat. Umso verwunderlich ist dann aber seine Aussage, dass er in Katar keine Sklaven auf dem Bau gesehen habe.
Das Auftreten in der Öffentlichkeit: Transparenz sieht anders aus
Beckenbauer hat seinen Legenden-Status mit seinen undurchsichtigen Geschäften demontiert. Da er aber zumindest rechtlich unbehelligt geblieben ist, kann man noch immer die Unschuldsvermutung ins Spiel werfen.
Als klassischen Fehler sehen wir sein Auftreten in der Öffentlichkeit. Die Mischung zwischen Nichtsagen und Halbwahrheiten hat Beckenbauer endgültig zerstört. Wieso sich eine Galionsfigur wie der Franz keinen professionellen Medien-Berater an Bord gezogen hat, bleibt neben den kaiserlichen Geschäften das zweite unerklärbare Rätsel.
Unsere Einschätzung: Beckenbauers Wege sind unergründlich
Man kann von Franz Beckenbauer halten was man will. Richtig dürfte sein, dass es ohne den Kaiser das Sommermärchen 2006 in Deutschland vermutlich nicht gegeben hätte. Wie Deutschland zur Ausrichtung des Turniers gekommen ist, darüber können die wildesten Vermutungen angestellt werden.
Dass der Kaiser auch bei den WM-Vergaben für Russland 2018 und für Katar 2022 eine unrühmliche Rolle gespielt hat, ist quasi unbestritten. Vom Fußball-Gott hat sich Franz Beckenbauer mehr oder weniger zu einem zweifelhaften Geschäftsmann entwickelt.
Wir wollen dem ehemaligen Libero aber zugutehalten, dass die gesamten Geschäftsaktivitäten kaum in seinem Hirn gewachsen sind. Beckenbauer hat sich von seinem Umfeld in halbseidene Kanäle drängen lassen. Oft dürfte es beim Kaiser geheißen haben – und er wusste nicht, was er tut.
Wirklich kritikwürdig ist, dass Franz Beckenbauer nie selbst zur Aufklärung der Vorwürfe beigetragen hat.